Meine Aufgabe als Volontärin in Yungay: Der Englischunterricht

Am ersten Sonntag wurde ich in den Messen der Pfarre vorgestellt und musste auch selbst ein paar Worte zu mir sagen. Ich hatte zuvor mit Padre Santiago ausgemacht, dass ich versuchen werde, einen Englischkurs für alle interessierten Kinder und für Erwachsene ins Leben zu rufen. Wir verkündeten in der Messe die Uhrzeiten und waren schon sehr gespannt, wie das Angebot angenommen werden würde. Sehr berührend war es für mich, dass nach der Messe die Leute zu mir gekommen sind, mich begrüßt, mich willkommen geheißen und mich sofort auch zu ihnen nach Hause eingeladen haben. Diese Gastfreundlichkeit erleichterte mir meinen Einstieg unglaublich und es wäre schön, wenn wir uns in Europa etwas von dieser offenen Einstellung abschneiden würden!
In der ersten Woche habe ich mit Peter, einem sehr engagierten jungen Pfarrmitglied, meinen Englischkurs in den umliegenden Schulen angekündigt und auch selbst mit den DirektorInnen der Schulen über mein kleines Projekt gesprochen. In den ersten Tagen besuchten nur wenige Kinder meinen Kurs, aber er sprach sich schnell herum und die Kinder brachten auch bald weitere Freunde mit. Wie kann man sich einen solchen Englischkurs vorstellen? Das wusste ich anfangs selbst nicht, da ich keine Ahnung hatte, welche Kinder kommen würden, ob sie Englisch konnten und wie generell die Lernkultur in Peru ist. Mein Klassenzimmer war ein Raum in der Pfarre, der sogar mit einer Tafel ausgestattet war. Ansonsten gab es nicht viel, aber mehr als Tafel und Kreide war auch für den Anfang nicht notwendig.

Unser Klassenzimmer in der Pfarre (© Agnes Schnabl, 2017)

Es war wunderschön zu sehen, dass die Kinder nach ihrem Schultag, der bis 16 Uhr dauerte, um 16:30 noch zu mir in den Englischkurs kamen. Ich unterrichtete täglich von Montag bis Freitag und an Samstagen vormittags. Die Tage und Uhrzeiten konnte ich selbst bestimmen. Teilweise kamen die Kinder wirklich täglich und waren sehr traurig, wenn sie einmal nicht kommen konnten. Diese Lernmotivation würde sich so mancher Lehrer in Österreich nur wünschen… Es war mir in meinem Kurs besonders wichtig, den Kindern beizubringen, warum es wichtig ist, Englisch zu lernen. Einige Schüler konnten schon ein paar Dinge vom schulischen Englischunterricht, wobei das sehr, sehr wenig ist und dort kaum Wert auf Englischunterricht gelegt wird. Teilweise hatten die Kinder auch gar keinen Englischunterricht in der Schule, da der in manchen Schulen extra zu bezahlen wäre. Genau habe ich das Schulsystem aufgrund meiner geringen Spanischkenntnisse leider nicht durchblickt, aber trotzdem ist zu sagen, dass man den Englischunterricht keinesfalls mit dem von Österreich vergleichen kann. Die Lehrbücher sind fast ausschließlich Vokabelbücher mit Fotos, aber Übungen sucht man im Englischbuch der Schule leider vergebens.

Der Englischunterricht war anfangs natürlich eine kleine Herausforderung, da ich Tag für Tag nicht wusste, wie viele Kinder kommen würden, ob sie bereits Englischkenntnisse hatten oder nicht und ob sie regelmäßig kommen würden. Ich musste daher sehr viel wiederholen, aber mein Hauptziel war es, die Kinder für die englische Sprache zu motivieren und sie zu ermutigen, sich auch in Zukunft damit zu beschäftigen. Schnell habe ich mir aber einen Stundenablauf zurechtgelegt, mit dem auch die Kinder sehr zufrieden waren: Nach anfänglichen Wiederholungen wurden auch immer Dinge ins Heft geschrieben, damit sie sich gleich von Beginn an Aussprache und Schrift und die Differenzen gewöhnten. Danach versuchten wir durch kommunikative Spiele und Übungen das Gelernte gleich anzuwenden und in der letzten halben Stunde spielten wir Gruppenspiele und das natürlich NUR auf Englisch! Wir haben uns recht schnell eingewöhnt und der Englischkurs ist gut ins Laufen gekommen. Ich hatte meistens um die 15 Kinder (zwischen 7 und 16 Jahre), was für mich die perfekte Gruppengröße zum Unterrichten war. Padre Santiago war aber ein bisschen enttäuscht, dass nicht mehr Kinder das Angebot angenommen hatten. Ich war leider nur einen Monat dort, aber zum Glück kam gleich nach meiner Anreise mein Nachfolger Michael, der den Englischkurs für mich weiterführte.
Die Kinder waren sehr dankbar für den Kurs und ich bekam ab und zu Obst als Dankeschön oder bunte Kreiden zum Schreiben an der Tafel! Außerdem wurde ich auch zum Mittagessen eingeladen, da sich die Familien bedanken wollten. Die Gespräche mit den Familien waren sehr interessant und sie wollten auch alle sehr viel über das Leben in Europa und über die kulturellen Unterschiede wissen. Es gab für mich also keine bessere Möglichkeit, das „richtige“ Peru kennenzulernen, da ich tagtäglich nur mit Einheimischen in Kontakt war und ich weit und breit die einzige Europäerin war.

(© Agnes Schnabl, 2017)

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