Meine Aufgabe als Volontärin in Yungay: Der Englischunterricht
Am ersten Sonntag wurde ich in den
Messen der Pfarre vorgestellt und musste auch selbst ein paar Worte zu mir
sagen. Ich hatte zuvor mit Padre Santiago ausgemacht, dass ich versuchen werde,
einen Englischkurs für alle interessierten Kinder und für Erwachsene ins
Leben zu rufen. Wir verkündeten in der Messe die Uhrzeiten und waren schon
sehr gespannt, wie das Angebot angenommen werden würde. Sehr berührend war es
für mich, dass nach der Messe die Leute zu mir gekommen sind, mich begrüßt, mich willkommen geheißen und mich sofort auch zu ihnen nach Hause
eingeladen haben. Diese Gastfreundlichkeit erleichterte mir meinen Einstieg
unglaublich und es wäre schön, wenn wir uns in Europa etwas von dieser offenen Einstellung abschneiden würden!
In der ersten Woche habe ich mit
Peter, einem sehr engagierten jungen Pfarrmitglied, meinen Englischkurs in
den umliegenden Schulen angekündigt und auch selbst mit den DirektorInnen der
Schulen über mein kleines Projekt gesprochen. In den ersten Tagen besuchten nur
wenige Kinder meinen Kurs, aber er sprach sich schnell herum und die Kinder
brachten auch bald weitere Freunde mit. Wie kann man sich einen solchen
Englischkurs vorstellen? Das wusste ich anfangs selbst nicht, da ich keine
Ahnung hatte, welche Kinder kommen würden, ob sie Englisch konnten und wie generell die
Lernkultur in Peru ist. Mein Klassenzimmer war ein Raum in der Pfarre, der
sogar mit einer Tafel ausgestattet war. Ansonsten gab es nicht viel, aber mehr
als Tafel und Kreide war auch für den Anfang nicht notwendig.
Es war wunderschön zu sehen, dass
die Kinder nach ihrem Schultag, der bis 16 Uhr dauerte, um 16:30 noch zu mir in
den Englischkurs kamen. Ich unterrichtete täglich von Montag bis Freitag und an
Samstagen vormittags. Die Tage und Uhrzeiten konnte ich selbst bestimmen. Teilweise kamen die Kinder wirklich täglich und waren
sehr traurig, wenn sie einmal nicht kommen konnten. Diese Lernmotivation würde
sich so mancher Lehrer in Österreich nur wünschen… Es war mir in meinem Kurs
besonders wichtig, den Kindern beizubringen, warum es wichtig ist, Englisch
zu lernen. Einige Schüler konnten schon ein paar Dinge vom schulischen
Englischunterricht, wobei das sehr, sehr wenig ist und dort kaum Wert auf
Englischunterricht gelegt wird. Teilweise hatten die Kinder auch gar keinen
Englischunterricht in der Schule, da der in manchen Schulen extra zu bezahlen
wäre. Genau habe ich das Schulsystem aufgrund meiner geringen Spanischkenntnisse leider nicht durchblickt, aber trotzdem ist zu sagen, dass
man den Englischunterricht keinesfalls mit dem von Österreich vergleichen kann.
Die Lehrbücher sind fast ausschließlich Vokabelbücher mit Fotos, aber Übungen
sucht man im Englischbuch der Schule leider vergebens.
Der Englischunterricht war anfangs
natürlich eine kleine Herausforderung, da ich Tag für Tag nicht wusste, wie
viele Kinder kommen würden, ob sie bereits Englischkenntnisse hatten oder nicht
und ob sie regelmäßig kommen würden. Ich musste daher sehr viel wiederholen,
aber mein Hauptziel war es, die Kinder für die englische Sprache zu motivieren
und sie zu ermutigen, sich auch in Zukunft damit zu beschäftigen. Schnell habe
ich mir aber einen Stundenablauf zurechtgelegt, mit dem auch die Kinder sehr
zufrieden waren: Nach anfänglichen Wiederholungen wurden auch immer Dinge ins
Heft geschrieben, damit sie sich gleich von Beginn an Aussprache und Schrift
und die Differenzen gewöhnten. Danach versuchten wir durch kommunikative Spiele
und Übungen das Gelernte gleich anzuwenden und in der letzten halben Stunde
spielten wir Gruppenspiele und das natürlich NUR auf Englisch! Wir haben uns
recht schnell eingewöhnt und der Englischkurs ist gut ins Laufen gekommen. Ich
hatte meistens um die 15 Kinder (zwischen 7 und 16 Jahre), was für mich die perfekte
Gruppengröße zum Unterrichten war. Padre Santiago war aber ein bisschen
enttäuscht, dass nicht mehr Kinder das Angebot angenommen hatten. Ich war
leider nur einen Monat dort, aber zum Glück kam gleich nach meiner Anreise mein Nachfolger Michael, der den Englischkurs für mich weiterführte.
Die Kinder waren sehr
dankbar für den Kurs und ich bekam ab und zu Obst als Dankeschön oder bunte
Kreiden zum Schreiben an der Tafel! Außerdem wurde ich auch zum Mittagessen
eingeladen, da sich die Familien bedanken wollten. Die Gespräche mit den
Familien waren sehr interessant und sie wollten auch alle sehr viel über das
Leben in Europa und über die kulturellen Unterschiede wissen. Es gab für mich
also keine bessere Möglichkeit, das „richtige“ Peru kennenzulernen, da ich
tagtäglich nur mit Einheimischen in Kontakt war und ich weit und breit die
einzige Europäerin war.
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| (© Agnes Schnabl, 2017) |




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